Bei den Bremsen handelt es sich um sicherheitsrelevante Fahrzeugteile.
Für die folgende Anleitung kann keinerlei Garantie übernommen werden.
Alle Arbeiten erfolgen auf eigene Gefahr und Verantwortung!
1. Allgemeines
Durch Korrosion der Handbremshebelwellen werden diese so
schwergängig, dass sie sich nicht wieder zurückstellen und zu
überhitzten Bremsscheiben führen können.
Der Nachstellmechanismus für die Feststellbremse kann somit nicht arbeiten. Die Wirkung der
Handbremse ist unzureichend oder gar gänzlich ohne Wirkung.
Zum vollständigen Zerlegen der hinteren Bremszangen des Fiat Tipo
sind spezielle Werkzeuge sowie sorgfältiges und geduldiges Vorgehen
erforderlich.
Einige Bilder liegen in größerer Auflösung vor; um sie aufzurufen,
auf das entsprechende Bild der Anleitung klicken.
2. Sprengringzange
Zur Herstellung der Sprengringzange benötigt man eine alte Kombizange und zwei
gehärtete Stahlnägel (ca. 4,5 mal 65 mm). Die Köpfe der Nägel werden abgetrennt.
Danach spannt man einen Nagel in eine Bohrmaschine oder einen Akkuschrauber und „dreht“
mit der Flex (dünne Trennscheibe) die Spitze auf den Restdurchmesser von ca. 1.8 mm ab.
Mit dem anderen Nagel genauso verfahren. Beide Nägel werden nun mit der Kombizange so
eingespannt, daß sie ca 55 mm aus der Zange senkrecht herausragen.
Mit dem Schweißgerät werden die Nägel fest mit der Zange verbunden.
selbst angefertigte Sprengringzange
3. Zerlegen
Nach dem Herausdrücken des Bremskolbens durch pumpende Bewegung des Handbremshebels,
sollte die Dichtmanschette in der Zange entfernt werden und die verbliebene Bremsflüssigkeit
mittels Bremsenreiniger (Wasser wäre besser, würde aber die Korrosion zusätzlich fördern)
neutralisiert werden. An der tiefsten Stelle im Bremszylinder sitzt ein Sprengring, welcher
nur mit eine speziellen Sprengringzange (s. Punkt 1) erreicht werden kann. Erschwert wird
diese Arbeit durch den Lamellenfederzylinder, welcher bis zur Bremszylinderwandung nur
wenige Millimeter Arbeitsraum ermöglicht.
Das innere der Bremszange
Es unbedingt darauf zu achten, dass die Zylinderwandung nicht verkratzt
wird, da Dichtheit und Leichtgängigkeit des Bremskolbens beeinträchtigt
werden. Ist keine geeignete Sprengringzange vorhanden, kann, wie
oben unter Punkt 1 beschrieben, eine selbst angefertigt werden.

Sprengringzange
Nach Lösen des Sprengringes entspannt sich die Druckfeder im Inneren
des Lamellenfederzylinders und kann zusammen mit diesem entfernt
werden.
Sprengring, Lamellenfederzylinder, Druckfeder, Scheibe
Die zentrale Gewindeschubstange kann nun ebenfalls, ohne sie zu beschädigen, herausgezogen
werden. Der O-Ring an der Gewindeschubstange trennt die drucklose Handbremshebelkammer vom
Bremssystem.
Fixierscheibe, Druckstange
Mit einer Spitzzange kann nun der beidseitig abgerundete Druckstößel entnommen werden, der
die Kraft von der Handbremshebelwelle auf die Schubstange überträgt.
Zylinderboden mit Stößel
Nun den Handbremshebel komplett mit seiner Welle aus der Bremszange herausziehen.
Handbremshebel herrausziehen
4. Instandsetzung
Die Hebelwelle muss mit geeigneten Mitteln entrostet und versiegelt werden.
Das kann z.B. durch Sandstrahlen oder Behandlung von evtl. Rostnarben mit
Fertan geschehen.
Hier stößt man an die Grenzen der Instandsetzungsmaßnahme. Die narbige Oberfläche kann
am Wellendichtring nicht wirklich dicht abschließen. Irgendwann wird sich an dieser Stelle
also wieder Korrosion einstellen. Eine Verlängerung der Haltbarkeit lässt sich möglicherweise
durch Aufbringen von Flüssigmetall oder 2K-Epoxy an der vernarbten Stelle erreichen.
Eventuelle Gratbildung im Bereich des Stößelsitzes entfernen.
korrodierter Handbremshebel
Der Wellendichtring sollte möglichst unbeschädigt sein um seine Aufgabe zu erfüllen.
Wo entsprechender Ersatz für den Wellendichtring herzubekommen ist, ist mir derzeit leider nicht bekannt.
Simmerring/Wellendichtring
5. Zusammenbau
Die Handbremshebelwelle sowie die Kammer muss vor dem Zusammensetzen mit Kupfer-oder Bremsenpaste eingefettet werden!
Das Zusammensetzen bis zum Arretieren des Sprengringes kann unter Umständen etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen,
da die Platzverhältnisse kein freies Arbeiten ermöglichen und zudem die Druckfeder über die Lamellenfeder
zusammengedrückt werden muss.
Montagehilfe
Das Zusammendrücken geschieht am besten mittels einer in den Schraubstock eingespannten Schraubzwinge
und zwei Rohren. Das Innere sollte geradeso über die Druckstange zu schieben sein und zentriert die
Druckfeder und damit den Lamellenzylinder. Etwas Kreppband um das Rohr wickeln, so dass es gerade noch
in die Feder hinein zu schieben ist. Das zweite Stück Rohr wird über das erste geschoben und überträgt
die Kraft der Schraubzwinge auf den Lamellenzylinder. (Innendurchmesser etwas größer als die Gewindeschubstange)
und ein weiteres, darübergestecktes Rohr.

Mit der Schraubzwinge nun vorsichtig die Feder zusammendrücken. Hierbei unbedingt darauf achten, dass die
Krempe des Lamellenzylinders zentrisch in die vorgesehene Vertiefung im Boden des Bremszylinders fährt.
Da der Vorgang kaum zu beobachten ist, muss das mit Gefühl geschehen. Achtung: Es besteht die Gefahr, dass
einzelne Lamellen der Krempe verbiegen. Das Einsetzen des Sprengringes ist dann unmöglich! Berührt die Krempe
ganzflächig den Boden kann mit der Spezialsprengringzange der Sprengring wieder eingesetzt werden.
Feder zusammen drücken
Den endgültigen Sitz des Springrings kann man z.B. auch mit einem etwas bearbeiteten Zelthering herstellen.
Bearbeiteter Dorn oder Zelthering
Nach einer Prüfung des "Gummirings" auf Unversehrtheit im Bremszangenzylinders, kann die Zange mit den restlichen Teilen komplettiert werden.
Fertig zur Montage des Kolbens
Für eine bessere Montage, die Zylinderwand in der Bremszange mit einer
dünnen Schicht Bremsfett (damit ist NICHT Kupferpaste o.ä. gemeint) bestreichen. Alternativ kann man die Wandung
auch mit Bremsflüssigkeit benetzten. Nun die Dichtmanschette in den Grad der Bremszange einsetzten, den korrekten Sitz prüfen und dann vorsichtig, ohne dabei die Manschette wieder aus ihrem Sitz zu ziehen sie
über den Bremskolben stülpen. Nochmals kurz prüfen, ob die Manschette richtig sitzt und anschließend den Kolben vorsichtig aber bestimmt in die Zange drücken.
Danke an Jörg der uns diese Anleitung geschickt hat.
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