Nachrüsten eines Ölkühlers



Umbau mit Teilen aus dem Fiatprogramm


Einleitung:


Wozu wird ein zusätzlicher Ölkühler am Motor benötigt?
Den meisten Fahrzeugbenutzern wird vermutlich nie auffallen, daß ihre Öltemperatur bedenkliche Werte annehmen kann. Denn eine Anzeige ist nur in der Modellvariante 1.8 16V und 2.0 16V des Tipos verbaut worden. Doch auch der kleinste Motor des Tipos kann Öltemperaturwerte von ca. 115°C erzeugen. In der Ölwanne wohlgemerkt!
Daß die Temperaturen im Zylinderkopf entsprechend der zugeführten Wärmeströme aus dem Brennraum und der geringeren Ölmenge höher sind, muß man jedoch bedenken. Die Wassertemperaturanzeige ist keine Orientierungshilfe, da sie über einen Thermostat auf ca. 85°C-90°C geregelt wird.
Im Normalfall sollte eine Öltemperatur in dieser Höhe kein Problem darstellen. Bei thermisch höher belasteten Motoren, wie dem des Tipo 2.0 16V, muß man jedoch in dieser Hinsicht vorsichtig sein. Denn mehrere Punkte gilt es bei diesem Motor zu beachten. Die Lagerstellen der Kurbelwelle z.B. sind eine bekannte Schwachstelle. Um einen Haupt- oder Pleullagerschaden zu vermeiden ist ein stabiler Öldruck und ein tragfähiger Ölfilm im Gleitlager notwendig. Dieser hängt von der Viskostät des Öles ab, die wiederum stark von der Temperatur abhängig ist. Da die Ölpumpe im Orginalzustand nicht berühmt ist für hohe Öldrücke (gewöhnlich ca. 3bar bei 4000/min und 100°C) ist eine gemäßigte Öltemperatur um so wichtiger.
Bekannt gewordene Nockenwelleschäden sind zwar seltener und warscheinlich oft auch nicht auf die Öltemperatur alleine zurückzuführen, dennoch ist eine hohe Öltemperatur möglichst zu vermeiden.
Der Verschleiß an den Nockenprofilen - die vergleichsweise steil sind - ist um so geringer als daß der Ölfilm die Kräfte zu übertragen vermag. Ein weiteres Konstruktionselement, das gedanklich oft ver- nachlässigt wird ist der Radialwellendichtring der Nockelwellen und Kurbelwelle nach außen abdichtet. Unter seiner Dichtkante wird das bereits heiße Öl nochmal stark erhitzt durch die hohe Reibleistungsdichte. Ein Versagen dieser Dichtringe kann durch die Temperaturempfindlichkeit des Materials, den hohen Verschleiß bei Mangelschmierung durch zu geringe Viskosität, oder Ölkohlebildung an der Dichtkante geschehen. Übliche Öltemperaturen von mindestens 120°C bei maximaler Drehzahl am Hauptstromkanal und die Verwendung von Mineralöl begünstigen dies.
Längere Strecken mit hoher Geschwindigkeit sind leider, dank der kurzen Übersetzung des Getriebes und dem damit verbundenen hohen Drehzahlniveau, nicht mit moderaten Öltemperaturen zu absolvieren.

Der Sinn eines Ölkühlers ist somit klar geworden. Doch warum ist dann keiner serienmäßig verbaut worden?
In der Tipo-Modellreihe sind lediglich die Modelle 1,9 TD und der seltenere 1,8 16V damit ausgerüstet worden. Eine Ausnahme sind wahrscheinlich die Versionen mit Automatikgetriebe und die 1,8 und 2 Liter-Motoren für ausländische Märkte wie Brasilien gewesen, für die wenigstens als Ersatzteil ein Ölkühler vorgesehen ist.
Der normale 2.0 16V für Deutschland ist nur mit einem Wasser-Öl-Wärmetauscher bestückt, welcher das Öl schneller aufwärmen bzw. kühlen soll, was wie bereits erwähnt nicht besonders gut funktioniert. Hierfür ist die Kühlleistung des Wärmetauschers, bei solch geringen Temperaturdifferenzen zwischen Öl und Wasser, zu gering.



Der Wärmetauscher (10) ist einfach zwischen Ölfilter (12) und Ölfilterflansch (1) geschraubt, und könnte mit Verwendung eines kürzeren Gewindebolzens (11) auch weggelassen werden.




Bauteile:


Für den Ölkühlereinbau mit orginalen Teilen bestehen grundsätzlich mehrere Möglichkeiten, da sich diverse Bauteile aus Fiat/Lancia/Alfa-Modellen verwenden ließen. Es bieten sich jedoch die Modelle an, welche die selbe Motoraufhängung wie der Tipo verwenden. Denn der serienmäßige Halter für den Ölkühler wird mit dem vorderen rechten Motorlager angeschraubt.





Prinzipiell wird ein Ölkühler samt Halter, zwei Druckschläuche und eine Anschlüssmöglichkeit am Motorblock benötigt. Für den Anschluss am Motor wird je nach Modell entweder nur eine zusätzliche Adapterplatte am Ölfilterflansch verwendet oder eine spezielle Ölfilterkonsole wie beim Fiat Coupe 16VT:


Fiat Tipo 1,8 16V


Fiat Coupe 16VT


Es bietet sich an die komplette Ölfilterkonsole vom Coupe zu übernehmen. Da das Coupe den selben Grund- rahmen verwendet wie der Tipo, ist die Anbindung zum Motorlager vom Maß her identisch. Verschraubung und Dichtfläche zum Zylinderkurbelgehäuse sind - abgesehen von den Schraubenlängen - ebenfalls gleich. Die Ölfilterkonsole des Coupes besteht komplett aus Aluminium und bringt so im Vergleich zur alten auch eine kleine Gewichtsersparnis mit sich.
Die schönere Ölfilterkonsole des Coupes ist außerdem mit mehreren Gewindebohrungen ausgestattet. Für den Anschluss von Öldruck- und Öltemperaturgebern mit Gewinde M14x1,5 ist also gesorgt. Es können somit auch die Geber des Tipos übernommen werden, die bis auf das Öldruckmanometer gleich sind. Dieses sollte man besser vom Tipo übernehmen, da der Geber des Coupes vermutlich einen Druckbereich von nur 3 bar verwendet, entspechend seiner Öldruckanzeige im Innenraum.
Leider muß mit der Ölfilterkonsole auch das Motorlager gewechselt werden, da es sich vom Lager des Tipos in der Länge etwas unterscheidet. Anderenfalls wird der Motor an dieser Seite um ca. 10mm angehoben.








Für den Ölkühler selbst stehen zwei Varianten zur Verfügung, die am Halter montiert werden können. Ein vermutlich etwas dünnerer ist serienmäßig in der Tipo und Tempra-Reihe verbaut. Ein etwas tieferer Ölkühler ist in den Bravo/a-, Coupe-, Dedra-, Marea- oder New Delta-Turbo bzw. TD-Modellen verbaut. Beide haben jedoch die selbe Breite und sollten auch keine allzu unterschiedliche Kühlleistung haben. Natürlich verwendet man im Zweifel den größeren Kühler z.B. aus dem Fiat Coupe 16V Turbo, wie die restlichen Teile in diesem Projekt auch.



Um dem Ölkühler den benötigten Fahrtwind zukommen zu lassen, muß ein Windleitblech zwischen Frontschürze und Kühler installiert werden. So kann man auch den rechten Nebelscheinwerfer an seiner bisherigen Position belassen.



Als Ölfilter kann der bisherige verwendet werden, oder z.B. Fa. Mann Filter W714/2.

Menge Bauteil Teilenummer verw. Fz.
1 Ölkühler klein 7607190 Tipo TD, Tempra TD
1 Ölkühler groß 46469281 Tempra 2.0 4x4, Coupe Turbo, Dedra Turbo/TD, Marea TD, New Delta 16V/Turbo/TD, Bravo/a TD
1 Halter Ölkühler 7610183 Tipo TD, Tempra TD, Coupe Turbo, Dedra Turbo/TD, New Delta 16V/Turbo/TD
1 Windleitblech 7642783 Tipo 1,8 16V
1 Ölfilterkonsole 16VT 60810516 Coupe 16VT, Dedra Integrale
1 Motorlager vorn rechts 7662137 Tipo/Tempra 2.0 Automatik, Coupe 16VT, Dedra Integrale
1 Flachdichtung 60805096
2 Schraube M10x1,25x50 16236933
1 Schraube M10x1,25x65 11343724
3 Schraube M10x1,25x70 15971334
1 Verschlussschraube M14x1,5 10300611
1 Öldruckschlauch Vorlauf 46464692 Tempra 2.0 4x4, Coupe 16VT, Dedra Integrale, Alfa 155 16VT Q4
1 Öldruckschlauch Rücklauf 46464693 Tempra 2.0 4x4, Coupe 16VT, Dedra Integrale, Alfa 155 16VT Q4
1 Kunstoffklammer Schläuche 7673078 Tempra 2.0 4x4, Coupe 16VT, Dedra Turbo/TD


Versetzen des Aktivkohlefilters:


Leider ist beim unveränderten Tipo der Aktivkohlefilter am vorderen rechten Motorlager montiert wo aber nun der Ölkühler Platz finden soll. Der Aktivkohlefilter wird für die Absaugung der Kraftstoffdämpfe benötigt, muß aber an keinem bestimmten Platz montiert sein.



Es bietet sich an, den Aktivkohlefilter einfach etwas nach oben zu verschieben, wo er hinter dem Scheinwerfer Platz finden kann. Dafür wird zunächst der alte Halter des Aktivkohlefilters mit dem Motorlager weggeschraubt, und die Klammer vom restlichen Halter getrennt. Man kann diese auch vom Lancia Thema nehmen, hier muß man keinen großen Halter abtrennen. Anschließend muß ein Abstandsstück mit ca. 12mm Tiefe daran befestigt werden.



Das Abstandsstück befestigt man am besten mit zwei Blindnieten am Halter, wegen des niedrigen Nietkopfes. Der Aktivkohlefilter kann nur mit montiertem Halter in die enge Stelle hinter dem Scheinwerfer geführt werden.
Die Befestigung erfolgt am besten mit zwei kurzen M6-Schrauben, die in vorbereitete Gewindebohrungen im Abstandsstück geschaubt werden. Für die Befestigung müssen zwei Löcher am Fahrzeugblech gebohrt und gegen Rost geschützt werden.



Zum Anschrauben muss man allerdings den Kühlwasserbehälter und den Wischwasserbehälter lösen, damit man mit Werkzeug und Schrauben von hinten an die gebohrten Löcher kommt. Eine der beiden Schlauchleitungen zum Aktivkohlefilter ist aber nun zu lang und sollte gekürzt werden. Man kann die blaue, durchtrennte und gekürzte Leitung mit einer kraftstoffbeständigen Muffe reparieren.



Es besteht nun genügend Abstand zum Halter des Ölkühlers und für die tiefste Stelle des Scheinwerfers ist auch genügend Platz vorhanden.


Anbauen des Ölkühlers


Zunächst einmal muß die alte Ölfilterkonsole bzw. der alte Motorhalter demontiert werden. Dazu bockt man den Motor am Halter etwas hoch und unterlegt den Motor an dieser Seite unter der Ölwanne. Zuerst wird das Motor- lager vom Halter abgeschraubt. Dann kommt der etwas knifflige Teil: Der Wärmetauscher muß von der Kühlwasserversorgung getrennt werden. Will man sich ein unfreiwilliges Ablassen des Kühlwassers ersparen, sollten die Schläuche nach dem Abziehen schnell wieder mit einem Pfropfen verschlossen werden. Zu beachten ist daß das Wasser über den Wärme- tauscher weiter abfießt während man den ersten Pfropfen aufsteckt. Im meinem Fall war der Verlust von ca. einem Liter Kühlflüssigkeit zu beklagen, der zum großen Teil vom linken Ärmel meines Overalls aufgefangen wurde.
Die verwendeten Verschlußstopfen sind selbstgemacht und bestehen aus Aluminium mit 15mm Durchmesser an der Dichtfläche. Ob es etwas in dieser Form zu kaufen gibt ist mir nicht bekannt.
Man könnte natürlich auch die beiden Rohre mit einem Stück Schlauch direkt verbinden und so verschließen. Allerdings mindert dies den Differenzdruck zwischen Saug- und Druckseite der Wasserpumpe, da ja nun der Wärmetauscher fehlt.
Anschließend baut man Ölfilter und Öldruckmanometer ab damit das restliche Öl aus der Ölfilterkonsole abtropfen kann. Nun löst man noch die verbliebenen 6 Schrauben am Motorhalter und kann die Konsole abnehmen. Die Dichtung sollte leicht abzunehmen sein, weshalb der Dichtflansch nur sorgfältig abgewischt werden muß.



Der freigelegte Dichtflansch ist bei allen 2-Liter Motoren und beim 1,8 16V der selbe. Die innere Bohrung kommt von der Ölpumpe. Die äußere Bohrung ist der Hauptölkanal nach dem Ölfilter. Nun kann die neue Ölfilterkonsole mit neuer Dichtung befestigt werden. Das empfohlene Anzugsdrehmoment der 6 Schrauben beträgt 43Nm. Das ist allerdings relativ wenig und sollte eher zu 60Nm abgeändert werden, was mit Schrauben der Festigkeitsklasse 8.8 und 10.9 kein Problem darstellt. Die alte Lichtmaschine passt exakt an die neue Ölfilterkonsole und kann direkt montiert werden. Das Motorlager sollte gegen das des Coupes ausgetauscht werden, da anderenfalls der Motor an dieser Seite ca. 10mm nach oben verschoben wird. Das ist im Normalfall zwar nicht schlimm, kann aber an Fahrzeugen mit darüber montierten Domstreben Probleme verursachen, wie in meinem Fall. Da kein anderes Motorlager zur Hand war, half eine 10mm starke Aluplatte zwischen Karosse und Lager den Motor wieder abzusenken.



Jetzt kann der Ölkühler an seinen Halter geschraubt werden, nachdem zuvor die Öldruckschläuche daran gut befestigt wurden. Vorsicht mit dem Anzugsdrehmoment, das Gewinde des Ölkühlers besteht aus Aluminum und ist deshalb nicht so belastbar wie an der Ölfilterkonsole.



Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, wie die Ölkühlerschläuche normalerweise mit ihrer Plastikklammer befestigt werden. Da der Ölkühler bis jetzt nur oben befestigt ist und er sich wegen seiner Gummilagerung unten noch bewegen läßt, sollte diese Klammer unbedingt mit der Karosse verbunden werden. Die Rüttelbewegungen von Motor und Strasse können so den Ölkühler nicht dauernd durchschütteln und die gesamte Anlage wird besser gehalten. Es sinkt somit die Warscheinlichkeit daß sich eine Schraubenverbindung löst oder der Halter des Ölkühlers einreißt, wie es bei meinem Ausgangsmaterial der Fall war.
Zur Befestigung der Klammer wurde ein Halter gebogen der an den verlängerten Querträger unterhalb des Wasserkühlers geschraubt wird. Wer diese Verlängerung nicht anschweißen will kann sie auch mit dem Querträger anschrauben.







Jetzt ist es an der Zeit die Wirkung des Ölkühlers zu testen. Schon eine kurze Überlandfahrt sollte zeigen ob das Temperaturniveau des Öls sich dauerhaft senken läßt. In meinem Fall sank es von 100°C auf etwas über 80°C und liegt nun ganz auf dem Niveau des Kühlwassers. Im Winter sollte der eingebaute Thermostat das Öl auf ähnlichen Temperaturen halten. Erstaunlicherweise stiegt der Öldruck nun auf gesunde 4-4,5 bar bei ca. 82°C und 4000- 4500/min.
Autobahnfahrten mit hohen Drehzahlen sind allerdings anders zu betrachten, da der Thermostat dann völlig geöffnet sein dürfte und die Öltemperatur von der maximalen Kühlleistung des Ölkühlers abhängt. Dann spielt auch die Außentemperatur und die Windgeschwindigkeit am Ölkühler eine größere Rolle.



Alle Angaben ohne Gewähr! Die Haftung ist ausgeschlossen!

Vielen Dank an Didi der uns diesen Beitrag verfasst und zur Verfügung gestellt hat!


Eine Anleitung bzw. Bericht zur Nachrüstung eines Ölkühlers aus dem Zubehörhandel folgt demnächst!

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