Das geht unter die Haut
 
Fiat begnügte sich bei der Modellpflege für den Tipo nicht mit Facelift:
Die Verbesserungen der passiven Sicherheit gehen bis tief in Bodenplatte und Karosseriestruktur.
 
Ein Bericht aus "auto, motor und Sport" Nr. 8/93
 
 
 
Eine geänderte Frontpartie mit schmäleren Scheinwerfern und markanterem Kühlergrill
unterscheidet die neue Tipo-Generation augenfällig von den früheren Modellen.
 
 
Der Löwenanteil an Investitionen ist dem neuen Fiat Tipo nicht anzusehen. Denn "rund 120 Millionen Mark" kostete laut Dante Bigi, Chef des Sicherheitszentrums, allein jene Modellpflege, die tief unter die Haut des Facelifts geht.
Bigi kokettiert ohne jede Scheu vor Indiskretion mit dieser stolzen neunstelligen Summe.
Der neue Direktor des Sicherheitszentrums von Fiat am Stadtrand von Turin mußte damit aufholen, was in der Generation vor ihm
verschlampt worden war - die passive Sicherheit des kompakten Mittelklasse-Modells Tipo dem Standard der deutschen Konkurenz anzupassen.
In einm Land, in dem rote Ampeln bestenfalls als Empfehlung verstanden werden und Sicherheitsgurte deswegen ungenutzt an der B-Säule baumeln, weil Italiener beim Autofahren nur an die fröhliche, nicht aber endgültige Ewigkeit glauben, darf dieses Sendungsbewußtsein durchaus als Kulturrevoltution verstanden werden.
Historiker werden als Ursprung dieser neuen Sicherheitsphilosophie des Fiat-Konzerns den auto motor und Sport-Crashtest in
Heft 6/92 entdecken.
Gesellschaftlicher Anlaß für die Einführung von verstärkter Bodengruppe und Türschwellern, von ABS und Airbag ist das Tipo Facelift
nach fünfjähriger Bauzeit.
 
Marquillage (Schminke), der italienische Fachausdruck für die bedeutsameVeränderung von Türgriffen und Zierleidten, ist diesmal stark untertrieben. Die neue Tipo-Generation ist an einer geänderten Frontpartie mit schmäleren Scheinwerfer und markanterem Kühlergrill erkennbar. Neben der viertürigen Standardkarosserie ist der Tipo nun auch zweitürig erhältlich.
Trotz gleichbleibender Basisabmessungen - Länge 3958, Breite 1700 und Radstand 2540 Millimeter - wirkt die neue zweitürige Karosserie zierlicher und feingliedriger als das viertürige Pendant. Die Heckklappe, in Form und Größe unverändert übernommen,
verleiht dank ihrem dynamischen Knick in der Gürtellinie dem Zweitürer ein coupeartiges Profil.
Wie ernsthaft Fiat nach jahrelanger Stagnation den Aufbruch in eine neue Modellära betreibt, beweisen die Modifikationen im Innenraum. Früher ein Schlachtfeld pseudomodernen Chi-Chis, wurde das Armaturenbrett nun konsequent entrümpelt:
Digital-Anzeigen raus, übersichtliche runde Analog-Anzeigen rein, keine neuen Schalterkombinationen für INtervallwischer und Handschuhfach-Öffner, aber neue, weichere Platikverkleidungen.
Und ein neues Sicherheitslenkrad mit Aluminium-Einsatz in der Nabe, der sich bei eiem Aufprall auf exakt vorberechnete und verletzungsmindernde Weise verformt.
 
 
 
Ein neues 4-Speichen-Sicherheitslenkrad, Analog- statt Digitalanzeigen, weichere Platikverkleidungen prägen das neue Armaturenbrett.
 
 
In Verbindung mit Gurtstraffern ist ein Fahrer-Airbag schon für das Basismodell 1.4 S als Option erhältlich (Aufpreis 800 Mark).
Fiat rüstet auch alle Tipo-Schwestermodelle, die ebenfalls modellgeflegten Fiat Tempra, Lancia Dedra, Alfa 155 und den neuen
Lancia Delta serienmäßig oder gegen Aufpreis mit diesem Airbag-System aus.
Die Karosserieversteifungen im Bereich der Türschweller, der Bodenplatte, des Mitteltunnels, der A-Säule, in den Türen und quer unterhalb der Windschutzscheibe stabilisieren den Tipo deutlich besser als früher.
Weniger Knistern in der Karosserie und mehr Verwindungssteifigkeit auf schlechter Staßenoberfläche bestätigen bei ersten
Probefahrten, daß Masse die Klasse bewirkt.
Durch die neue Servolenkung und weniger Unrtersteuerungstendenz wirkt der neue Tipo mit der voll ausgeschriebenen Typenbezeichnung Grandturismo (GT) auf der Heckklappe handlicher als früher. Serienmäßige Recaro-Schalensitze sorgen dafür,
daß mitteleuropäische Fahrer-Figuren auch bei sportlicher fahrweise auf entsprechend langen Sitzkissen und Rückenlehnen ruhen.
Mit dem von Lancia und dem Fiat Croma bekannten, gegenläufigen Ausgleichswellen läuft der 1,8 Liter-Vierzylinder mit
Multipoint-Einspritzung von Marelli Weber zwar deutlich ruhiger, etwas mehr Temperament und Durchzugsstärke würden einem
GT aber auch dann nicht schaden, wenn er sich Grandturismo schreibt.
Den schönsten Vorteil des neuen zweitürigen Tipo haben die Italiener zumindest statistisch exakt definiert:
60 Prozent der Kunden sind jung, ledig, kinderlos und weiblichen Geschlechts. Auch das geht unter die Haut.
Eckhard Eybl
 
 
Quelle: Fiatfahren 2/93, Motor-Presse-Verlag Stuttgart


Danke an Didi, der uns diesen Beitrag geschickt hat!


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