Tipo16V im Vergleich!


KlassenTreffen

Vergleichstest der 150-PS-GTi-Klasse


Die vom Golf begründete GTI-Klasse erlebt eine ungeahnte qualitative und quantitative Aufwertung. Selbst aus Korea kommt nun mit dem Lantra GT ein Kompaktsportler auf den Markt, der mit preiswerter 16V-Technik die Vormachtstellung der europäischen Anbieter angreift. Kann sich das Wolfsburger Orginal noch immer behaupten?


Das Kürzel 16V als Synonym für Hochtechnologie und Sportlichkeit fährt in der dynamischen Kompaktklasse nun fast schon auf jedem dritten Koffer- raumdeckel mit. Die Vierventiler, im Rennsport aus dem Erfordernis hohen Gasdurchsatzes, ergo höherer Leistungsausbeute geboren, sind selbst bei Automobilen wesentlich zivilerer Machart auf dem Vormarsch.
Jüngstes Beispiel ist der in Korea von einem der größten Industriekonzerne der Welt produzierte Hyundai Lantra GT 1.8i 16V, der im netten, glatten Allerweltsgewand daherkommt und mit motorischen Reizen kokettiert: Sein 1.8-Liter-Vierventiler leistet 126 PS. Der Neuste aus der Lantra-Baureihe tritt zudem mit einem Preis an, der der Konkurenz die Tränen in die Augen treibt: 25500 Mark.
Das sind gut 12000 Mark weniger, als etwa VW für den Golf GTI 16V in einer weit spartanischer ausgestatteten Basisversion verlangt. Der Klassen- begründer Golf tritt allerdings mit einer Leistung von 150 PS an, die in seinem Genre mittlerweise Standard geworden sind. Wie beispielsweise auch beim Opel Astra GSi 16V: Der sportive Kadett-Nachfolger, 38950 Mark teuer, gilt als der sportliche Maßstab seiner Klasse.
Ford stellt den Escort RS 2000 ins GTI-Lager - ebenfalls 150 PS stark und preislich ganz dicht am Golf.
Starke Konkurenz ist den Herstellern auch von französischer Seite mit dem Citroen ZX 16V erwachsen. Gleichstark wie die deutschen - 150 PS -, verlangt der Citroen-Händler für das sportive Coupe bescheidene 36590 Mark. Honda hält mit geringerem Hubraum - 1.6 Liter -, dafür aber mit hoch- karätiger VTEC-Technik dagegen. Der Vierventiler im Civic 1.6 VTi stellt mit 160 PS die höchste Leistung zur Verfügung. Er liegt preislich allerdings auch im oberen Segment: 38975 Mark.

Tipo 2.0 i.e. 16V Sport

Der Fiat Tipo hat es in diesem Vergleich ziemlich schwer, was ausnahmsweise wörtlich zu nehmen ist. Erst bei 1229 Kilogramm (Werksangabe: 1164 Kilo) pendelte sich der Zeiger der Waage ein. Der hübsche Italiener ist damit eindeutig der Schwergewichtler unter den hier versammelten glorreichen Sieben. Doch all die Pfunde sitzen durchaus an strategisch entscheidenden Stellen.
Von wenig erfreulichen Crashtests aufgeschreckt, haben die Fiat-Ingenieure in kurzer Zeit ein opulentes Sicherheitspaket geschnürt, das gleichzeitig mit der Präsentation des neuen Dreitürers debütierte. Damit sich der Tipo im Falle eines Falles nur an den gewünschten Stellen faltet, wurden Bodengruppe, Schweller, Windschutzscheibenrahmen und Armaturenbrett-Träger verstärkt. Der Flankenschutz in den Türen soll verhindern, daß sich ein Kontrahent die Vorfahrt bis in das Passagierabteil erzwingt.
Beim Tipo 16V gehört zudem der sonst aufpreispflichtige Fahrer-Airbag samt Gurtstraffer zur Serienausstattung, ebenso das in allen Tipo installierte Bosch-ABS.


Schon auf den ersten Metern wird schnell deutlich, daß die Karosserieversteifungen sich nicht nur segensreich auf die Sicherheit auswirken, sondern auch auf den Qualitätseindruck. Auch auf schlechten Strecken enthält sich der Fiat jeglicher Knarz- oder Klappergeräusche und wirkt so solide wie seine deutschen Konkurenten. Die Passagiere ruhen auf bequemen Sesseln mit ausreichender Seitenführung. Auch die ehedem traditionell be- scheidene Fiat-Schaltung kann es mittlerweile locker mit den Standard eines Astra aufnehmen, ohne allerdings die Klasse eines Honda zu erreichen.

Sachlich:
Auch Fiat hat jetzt auf
das digitale Mäusekino
verzichtet und zu
übersichtlichen
Zeigerinstrumenten
zurückgefunden

Die Qualitäten des Motors alleine nach den nüchternen Meßwerten zu beurteilen, wäre sicherlich ungerecht, denn er zählt eindeutig zu den tüchtigen Vierzylindern. Seine Konstrukteure haben ihn mit allem garniert was gut und teuer ist. So sorgen seine beiden gegenläufigen Ausgleichswellen für einen vibrationsarmen Lauf, und seine maximale Leistung von 139 PS dokumentiert, daß bei seiner Konstruktion weniger die Spitzenleistung als vielmehr ein harmonischer Drehmomentverlauf im Mittelpunkt standen.

Musterknabe:
Der Fiat-Motor gefällt
durch vibrationsarmen
Lauf und gutes Temperament
bei mittleren Drehzahlen

Obwohl der Tipo nur die zweitschlechtesten Fahrleistungen realisiert, entsteht nie der Eindruck, untermotorisiert unterwegs zu sein. Mit einer Be- schleunigung von 9,1 Sekunden von null auf 100 km/h unterbot er die Werksangabe von 9,8 Sekunden deutlich. Bereits bei mittleren Drehzahlen packt der Vierventiler beherzt zu und dreht willig bis an den roten Bereich, allerdings dann begleitet von einem etwas blechernen Auspuffsound, der allen, die sich noch an den Fiat 124 erinnern, wohlvertraut im Ohr klingt.
Zur Motorcharakteristik passt ein harmonisch abgestimmtes Fahrwerk, das sich, obwohl tiefer gelegt, durchaus dem Komfort verpflichtet fühlt. Im Grenzbereich agiert der Fiat untersteuernd und frei von Tücken. Der Tipo 16V ist sicherlich kein kompromißloser GTI nach strenger Lehre, dafür aber ein geräumiger und bequemer Kompaktwagen mit Expresszuschlag für alle Tage.
hb
Fazit
Citroen ZX 16V
Die französische Evolution mit der Bezeichnung ZX 16V ist eine rundum gelungene Alternative zum Golf: Der 150 PS starke Vierventilmotor packt bärig zu und verhilft dem Citroen zu besten Fahrleistungen. Auch das Fahrwerk ist sowohl unter sportlichem Aspekt als auch hinsichtlich Komfort erste Wahl. Überdies zeigt der Franzose eine Solidität, die fast an Golf-Niveau heranreicht.

Fiat Tipo 16V
Das auffälligste am modellgeflegten Tipo ist sein deutlicher Zugewinn in puncto Verarbeitung und Stabilität. Er erreicht damit fast deutschen Standard. Sein damit verbundenes hohes Gewicht und sein Leistungsdefizit gegenüber den Stärksten hindern ihn naturgemäß an Bestwerten in Sachen Fahrleistungen. Das Fahrwerk ist eher komfortabel abgestimmt, ermuntert aber weniger zu sportlichem Engagement.

Ford Escort RS 2000
Der Kölner Kompaktsportler begeistert in erster Linie durch sein agiles und dabei kultiviertes Triebwerk. Sein Durchzugstalent macht ihn zum Sprinter innerhalb der Konkurrenz. Das Fahrwerk erfüllt durchaus sportliche Ansprüche, zeigt sich aber zum Teil recht unharmonisch. Durch Fein- arbeit in puncto Feder/Dämpfer-Abstimmung könnte der Ford durchaus zur Spitze aufschließen. So aber bleibt dem RS 2000 in der Fahrwerks- wertung nur ein mittlerer Platz.

Honda Civic 1.6 VTi
Dem japanischen Kompaktsportler mangelt es an Harmonie. Die rennmäßige Charakteristik des 160 PS starken 1.6-Liter-Aggregats will nicht so recht zum Gesamtkonzept des Familien-Civic passen. Dem Fahrwerk mangelt es an Feinschliff.

Hyundai Lantra GT 1.8i 16V
Das konkurrenzlos günstige Preis-/Leistungsverhältnis des koreanischen Herausforderers ist ein Argument. Technisch betrachtet betrachtet fährt das Lantra-Sportmodell abgeschlagen hinter der Konkurrenz her. Während Motor und Getriebe durchaus noch überzeugen können, offenbart das Fahrwerk zum Teil recht deutliche Schwächen: Die Bremsanlage mit Trommeln an den Hinterrädern wird ihrer Aufgabe nicht souverän gerecht.

Opel Astra GSi 16V
Seinem optisch auffällig sportlichen Auftritt wird der Astra technisch zu 100 Prozent gerecht. Der 150-PS-Vierventiler bringt beste Fahrleistungen, nervt empfindliche Naturen allerdings durch sein lärmendes Naturell. Das vergleichsweise straff abgestimmte Fahrwerk arbeitet die teilweisen Mängel in der Verarbeitung sehr deutlich heraus.

VW Golf GTI 16V
Der dynamische Klassenbegründer ist alles andere als eine Knallbüchse. Die Solidität des Wolfsburger Kompaktsportlers macht den GTI weiterhin zur ersten Wahl. Der 150 PS starke 16V-Motor überzeugt in allen Kriterien, wie Laufkultur, Fahrleistungen und Verbrauch, nimmt allerdings nicht überall mehr die Spitzenposition ein. Das Fahrwerk ist narrensicher und stellt einen hervorragenden Kompromiß zwischen sportlicher Abstimmung und Komfort dar.




Quelle: sport auto 8/93 (Artikel gekürzt, beschränkt sich auf Beschreibung Fiat Tipo)


Vielen Dank an Didi der uns diesen Beitrag zugeschickt hat!


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